Medienecho
Uraufführung: Richard Wagners garstiges Werk (Nordbayerischer Kurier)
Das Festival junger Künstler Bayreuth bringt im August "Eine Kapitulation" auf die Bühne - Statisten gesucht
Das Festival junger Künstler hat einen harten Brocken ausgepackt: Am 24. August wird "Eine Kapitulation" uraufgeführt - ein Werk Richard Wagners, das nur als Text vorhanden war und das von Paul Schäffer im Auftrag des Regisseurs Georgios Kapoglou erstmals vertont wird. "Eine Kapitulation" - ein bissiges Werk Wagners, eine Abrechnung mit der französischen Regierung und den Kunstschaffenden Frankreichs, das von Kapoglou und seinem Team in die Moderne übersetzt wird.
"Eine Kapitulation" sei eigentlich ein "Nebenprodukt von Wagners Schaffenstätigkeit", sagt Georgios Kapoglou, der bereits 2003 und 2005 beim Festival junger Künstler Bayreuth Werke des jungen Wagner auf die Bühne gebracht hat. Das Werk sei Ausfluss des Leidenswegs Richard Wagners, der nach einer Odyssee, die ihn bis nach Riga geführt hat, entbehrungsreiche Jahre in Paris verbracht hat. Dort konnte er mit seinen Ideen nicht landen. Man hat ihm in Frankreich höchstens die Hand geschüttelt und ihn vertröstet", sagt der Regisseur bei der Pressekonferenz im Zentrum.
Wagner habe "Das Liebesverbot" in Paris an den Mann bringen wollen, "das jedoch ist ihm nicht geglückt. Das hat er den Franzosen sehr, sehr übel genommen". Das Ergebnis: Wagner schreibt sich den Frust von der Seele mit "Eine Pilgerfahrt zu Beethoven" und "Eine Kapitulation". Um die Häme in den Hintergrund zu drängen, die in dem Stück steckt, haben Kapoglou und sein Team - die Produktionsdramaturgin Kristin Päckert, die Bühnenbildnerin Michaela Muchina und die Kostümbilderin Kerstin Narr - "ein bisschen gebraucht, bis wir fündig wurden", sagt Kapoglou. "Aber wir haben ein tolles Motiv entdeckt: die Rettung der Republik durch die Oper."
Moderne Offenbachiade
Das Stück soll, wenn es am 24. August erstmals auf die Bühne kommt, die Brücke schlagen von der Republik Frankreich 1870 zur Bundesrepublik 2010. Dabei wolle man darauf verzichten, die Personen, die Wagner bissig persifliert, ebenfalls als Persiflagen darzustellen: Aus dem Stück wird eine moderne Offenbachiade, "ein parabolischer Spaß auf die Zustände heute". Um das umzusetzen, braucht das Regieteam jedoch noch Statisten: Am Wochenende kamen neun Frauen und Männer zu einem ersten Casting, "wir brauchen aber 50", sagt Kapoglou, der auf regen Zuspruch der Bayreuther hofft.
Spannend ist es allemal, was da auf die Bühne gebracht wird - zumal Michaela Muchina und Kerstin Narr "den Raum sprengen wollen", wie sie sagen, um den Nicht-Zustand einer Republik darzustellen. Es gibt ja schließlich noch den üblen Verriss Martin Gregor-Dellins. Kapoglou: "Er schrieb, dass `Eine Kapitulation´ ein Werk ist, das Wagner besser nie geschrieben hätte."
INFO
Die Existenz des Stücks "Eine Kapitulation" sei "entfernt bekannt gewesen", sagt die Intendantin des Festivals junger Künstler, Sissy Thammer. Wagner selbst hat es nie vertont, angeblich soll Hans Richter versucht haben, Musik dafür zu komponieren.