Medienecho
Vision: Bayreuth als Zentrum für ein Gespräch mit der Welt
Festival Junger Künstler will Dialog zwischen Orient und Okzident stärken

(Von links): Markus Spona, Gerhard Horn, Alfred Winter, Sissy Thammer, George Khoury und Andreas Loesch setzen sich für einen stärkeren Dialog zwischen Europa und der arabisch-islamischen Welt ein. Foto: Knorz
Das Festival junger Künstler Bayreuth will in diesem Jahr den Dialog zwischen Europa und der arabisch-islamischen Welt intensivieren. Das teilten Festivalintendantin Sissy Thammer und Vorsitzender Andreas Loesch gestern bei einer Pressekonferenz in Bayreuth mit.
Seine Vision formulierte Projektleiter George Khoury mit den Worten: „In Bayreuth könnte ein Zentrum entstehen für ein Gespräch mit der Welt.“ Es sei die Pflicht aller Kulturschaffenden in Europa und der arabischen Welt, sich gegenseitig über Kunst und Kultur zu erreichen, nicht über wirtschaftliche oder politische Verträge. „Verträge können annulliert werden, aber gewachsene kulturelle Verbindungen kann man nicht einfach beseitigen.“ Bereits im vergangenen Jahr fand während des Festivals junger Künstler ein außergewöhnliches Konzert in der Kirche St. Georgen statt: Türkische Komponisten der Musikhochschule Istanbul hatten zum ersten Mal Stücke für europäische Kirchenorgel komponiert und spielten diese in Salzburg, Bayreuth, Bonn und Weiden. Die Kooperation soll in diesem Jahr fortgesetzt werden, teilte Professor Alfred Winter mit, der im Land Salzburg für kulturelle Sonderprojekte zuständig ist und den jahrzehntelange Projektarbeit mit Andreas Loesch verbindet. Für Konzerte in Salzburg, Bayreuth und Bonn experimentiert die türkische Sängerin Nihan Devecioglu zusammen mit Cenk Erdogan, der auf einer bundlosen Gitarre spielt. Westliche und östliche Klänge sollen einander gegenübergestellt und verbunden werden. „Wenn es eine Weltsprache gibt, dann ist es die Musik“, sagte Khoury, gebürtiger Palästinenser und Kulturredakteur der Deutschen Welle. Europa und die islamische Welt verbände eine sehr lange, aber mitunter auch sehr blutige Geschichte. In Europa sei man erst durch die Terroranschläge auf das World-Trade-Center auf die großen Differenzen aufmerksam geworden. „In beiderseitigem Interesse ist es an der Zeit, Brücken zu schlagen.“
Dazu will das Festival junger Künstler in diesem Jahr verstärkt beitragen – „und das nicht einmalig, sondern nachhaltig“, betonte Thammer. Neben Konzert und Workshops für Schüler und Studenten aus Bayreuth soll es auch eine Podiumsdiskussion mit namhaften Künstlern des arabischen Raums geben. Über George Khoury, den gemeinsame Projektarbeit mit Festivalvorsitzendem Andreas Loesch verbindet, besteht Kontakt zu Künstlern in Beirut und Kairo. „Wir stehen mit großen Künstlern in Kontakt, sobald sie zugesagt haben, machen wir das publik“, sagte Thammer.
Der politische Auftrag des Festivals Junger Künstler, das seit 1950 in Bayreuth stattfindet, sei weitgehend unbekannt, sagte die Festivalintendantin. Die internationale Jugendarbeit stehe jedoch sogar noch vor der künstlerischen Arbeit. Die politische Dimension von Musik wie dem Konzert in St. Georgen, bei dem Muslime Orgelmusik schreiben, dürfe man nicht unterschätzen. Nutzen, vielleicht sogar ausnutzen müsse man bei diesem wichtigen Thema den Namen Bayreuths, um ihn in die Waagschale zu werfen, sagte Khoury, „damit wir etwas Großes schaffen“. Wie es Loesch nannte: eine Weltzukunftswerkstatt. Gerhard Horn, Internationaler Beirat des Festivals, berichtete über jüngste Gespräche mit dem Goethe-Institut, damit das Festival in der kulturellen Außenwahrnehmung Deutschlands platziert werden könne. George Khoury fasste die Bemühungen zusammen: „Ob sich unsere Pläne umsetzen lassen, weiß ich nicht. Aber bei der Brisanz des Themas lohnt es sich, es zu versuchen.“
Hintergrund
Das Festival junger Künstler wurde 1950 gegründet; seither waren über 21 000 Musiker aus 80 Nationen zu Gast in Bayreuth. Seit der Gründung durch Herbert Barth unter der Patronage von Jean Sibelius fördert das Festival junger Künstler Bayreuth junge Talente nicht nur musikalisch, sondern auch in den Bereichen Literatur, Journalismus, im täglichen Umgang und berufsbezogen im Praktikantenmodell. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.youngartistsbayreuth.de.